Dieser Artikel ist im Rahmen eines Advertorials für ZEIT für FORSCHUNG entstanden und ebenfalls online unter https://zeitfuerx.de/forschung/roboter-auf-dem-gehweg-sind-wir-bereit-dafuer/.
Reinigungsroboter in Bahnhöfen? Alltag [1]. Lieferroboter auf Gehwegen? Noch selten – aber in Pilotprojekten bereits Realität [2], [3]. Roboter zur Unterstützung in der Pflege werden erforscht, um ältere Menschen im täglichen Leben zu entlasten [4]. Die Robotik macht den Sprung aus dem Labor – doch wie willkommen ist sie im wirklichen Leben? Der Alltag wird zum Prüfstand: für Technik, für Akzeptanz – und für uns.
Robotik ist nicht nur ein technisches Thema, sie betrifft unser Selbstverständnis. Es geht nicht nur um Sensorik, Softwareentwicklung oder Wirtschaftlichkeit. Sondern um die Erforschung des Zwischenmenschlichen – oder genauer: des Zwischenmensch-Maschinellen. Die zentrale Frage lautet: Wie ermöglicht die Maschine ein Zusammenleben, das funktioniert, akzeptiert – und sogar geschätzt wird?
Alltag als Experimentierfeld
Genau dieser Fragestellung widmen sich deutschlandweit zahlreiche Forschungsprojekte – eines davon: das bundesweit aufgestellte „Transferzentrum Roboter im Alltag“, kurz RimA. Gemeinsam mit den ebenfalls vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten RA3-Kompetenzzentren – Forschungsverbünden zur Mensch-Roboter-Interaktion im Alltag – analysiert RimA, unter welchen Bedingungen Roboter sinnvoll und sicher in alltäglichen Situationen eingesetzt werden können.
Zum Thema Mensch-Roboter-Interaktion gibt es mehr im RimA-Beitrag von RA3-Kompetenzzentrum ZEN-MRI: Blick in die Forschung: Mensch-Roboter-Interaktion.
Dabei wird der öffentliche Raum zum Labor: In Ulm etwa führen Forschende des Projektes ZEN-MRI Feldstudien mit Passantinnen und Passanten sowie mit Reinigungsrobotern durch [5]. Was passiert, wenn ein Roboter plötzlich die Richtung ändert? Was empfinden Menschen, wenn sie von einem piependen LED-Wesen „aus dem Weg gebeten“ werden? Anhand von Interviews, Beobachtungen und Fragebögen werden die Kommunikations-muster getestet, mit denen Roboter ihre Absichten sichtbar machen können: mit Licht, Ton, Icons oder gar Bodenprojektionen. Ziel ist eine verständliche Körpersprache für Maschinen. Die Forschenden aus dem Projekt RimA schauen dann aus der Außen-perspektive, wie sich diese verständliche Körpersprache zu anderen relevanten Aspekten verhält, ob der Roboter also beispielsweise seine Aufgabe gleichzeitig effizient ausfüllt. „Ein Roboter, der im Alltag zum Einsatz kommt, sollte sich nicht nur rücksichtsvoll und sicher verhalten, sondern aktiv zum reibungslosen Miteinander beitragen“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Arne Rönnau, Direktor am FZI Forschungszentrum Informatik. „Indem er sich vorausschauend und kooperativ ins Geschehen einfügt, wird er zu einem echten Mehrwert für seine Umgebung.“
Zwischen Funktion und Verständnis
Gute Technik muss heute mehr können als nur funktionieren. Sie muss verständlich sein – und dabei berücksichtigen, wer ihr begegnet. Kinder, ältere Menschen oder Personen mit Einschränkungen reagieren anders auf technische Systeme. Roboter, die sich künftig im öffentlichen Raum bewegen, müssen deshalb nicht nur zuverlässig und sicher agieren, sondern auch sozialverträglich und wirtschaftlich einsetzbar sein. RimA greift diese vier zentralen Herausforderungen – Aufgabenerfüllung, Sicherheit, Interaktionsqualität und ökonomische Tragfähigkeit – systematisch auf. Damit daraus technische Anforderungen entstehen können, müssen abstrakte Begriffe greifbar gemacht werden: Aus „robust“ wird zum Beispiel eine messbare Reinigungsleistung. „Sicherheit“ lässt sich über zulässige Kräfte und Abstände definieren. Und „soziale Kompatibilität“ zeigt sich etwa in der Reaktion von Menschen, die dem Roboter begegnen. Dafür ist ein menschzentrierter Gestaltungsprozess notwendig. Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit Forschenden unterschiedlichster Fachbereiche: Ingenieur-wissenschaftliche Lösungen werden systematisch um Erkenntnisse aus Ethik, Psychologie und Sozialforschung ergänzt. Verschiedene Stakeholder – vom Tech-Start-up bis zur Reinigungsfirma – werden einbezogen, um Anforderungen zu erfassen, Konflikte zu erkennen und tragfähige Lösungen zu entwerfen. Projekte wie RimA bilden die Schnitt-stelle für diese Kollaboration: Hier werden Forschende mit Firmen und Endnutzenden zusammengebracht, Wissen zusammengeführt und Bedarfe greifbar gemacht. Dabei geht es also nicht nur um Design – sondern auch um den gesellschaftlichen Rahmen: Welche rechtlichen Standards braucht es für Roboter im öffentlichen Raum? Welche Sicherheitsanforderungen müssen sie erfüllen, wenn sie mit Menschen interagieren? Und wie sieht eigentlich ein tragfähiges Geschäftsmodell für einen Roboter aus, der beispiels-weise Müll aufsammelt?
Zwischen Machbarkeit und Markt
Ein Blick auf den Stand der Technik zeigt: Viele Roboter bewegen sich im sogenannten Technological Readiness Level 2-5-Bereich, der die Entwicklungsstufen von der Idee bis zum realen Einsatz beschreibt. Das heißt, sie sind konzipiert, im Labor getestet, manchmal sogar in realitätsnahen Umgebungen demonstriert – aber noch lange nicht marktreif. Die Kluft zwischen akademischer Forschung und massentauglichem Produkt ist oft tief. Und teuer. „Robotik braucht mehr als Technik“, sagt Tristan Schnell. „Sie muss tragfähig, akzeptiert und anwendbar sein. Anlaufstellen wie RimA helfen, den Weg vom Prototyp zur Praxis zu ebnen.“ Tatsächlich arbeitet das Zentrum nicht nur an Benchmarking-Kriterien und einer Wissensplattform, sondern auch an methodischen Hilfsmitteln, um Geschäftsmodelle zu entwickeln – etwa mit einer eigens entwickelten RimA Toolbox, die auf die Besonderheiten von Service- und Assistenzrobotik zugeschnitten ist. Die Forschenden hoffen, so Brücken zu bauen: zwischen Forschung und Anwendung, zwischen Idee und Alltag. Auch deshalb testet das Zentrum den erfolgreichen Einsatz von Robotern in häuslicher Umgebung.
Vision mit Bodenhaftung
Robotik im Alltag ist keine Zukunftsoption, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Der demografische Wandel, der zunehmende Fachkräftemangel und steigende Anforderungen in Pflege, Versorgung und öffentlichem Raum verlangen nach neuen Lösungen. Service- und Assistenzroboter können dazu beitragen, Menschen gezielt zu entlasten und bestehende Strukturen zu stärken – wenn sie verlässlich, sicher und sozialverträglich gestaltet sind. RimA zeigt Wege auf, wie dies gelingen kann. Entscheidend wird sein, ob wir als Gesellschaft bereit sind, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten – damit Robotik unsere Lebensqualität unterstützt und für alle nutzbar wird.
Referenzen
[1] D. Prandl. (2024, September 23). Einzigartiges Projekt: Sprechende Putzroboter erobern die Bahnhofspassage. [Online]. Verfügbar: https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/forschungsprojekt-zen-mri-in-ulm-untersucht-interaktion-von-roboter-und-mensch-103069174. [Abruf Oktober 24, 2025].
[2] Brandenburgisch Technische Universität. (2024, Oktober 11). Autonome Lieferroboter revolutionieren den ländlichen Raum. [Online]. Verfügbar: https://www.b-tu.de/news/artikel/27354-autonome-lieferroboter-revolutionieren-den-laendlichen-raum. [Abruf Oktober 24, 2025].
[3] O. Bünte. (2024, Oktober 23). KI-Lieferroboter beschleunigt Essenslieferungen von Uber Eats. [Online]. Verfügbar: https://www.heise.de/news/KI-Lieferroboter-beschleunigt-Essenslieferungen-von-Uber-Eats-9991148.html. [Abruf Oktober 24, 2025].
[4] FZI. HoLLiECares. [Online]. Verfügbar: https://www.fzi.de/project/holliecares/. [Abruf Oktober 24, 2025].
[5] zen-mri. (2024, März 28). Verständliche Roboter-Kommunikation mithilfe von Patterns. [Online]. Verfügbar: https://zen-mri.de/pattern-generierung-ankuendigung-und-vorgehen/. [Abruf Oktober 24, 2025].

