Einige Service- und Assistenzroboter sind bereits weit genug fortgeschritten, um im Alltag Anwendung zu finden. Im Beitrag „Was sind eigentlich Service- und Assistenzroboter?“ sind Beispiele für Kategorien solcher Robotikanwendungen gesammelt, die aktuell (Stand Oktober 2024) auf dem deutschen Markt zu erwerben sind. In diesem Artikel sind nun ergänzend und exemplarisch einige vorhandene Produkte aus der Kategorie „Pflegeroboter“ zusammengetragen – anhand dieser Beispiele wird deutlich, welche Robotikanwendungen existieren und auf welchem technischen Entwicklungsstand sich diese befinden.
Pflegeroboter werden bislang nur sehr selten in der Praxis eingesetzt. Trotz guter Studienlage, die den Nutzen von Robotik in der Pflege stützt, bietet das Klinikumfeld viele Herausforderungen, die die erfolgreiche Einbindung von Robotiklösungen in die Pflege erschwert [1]. Neben einer begrenzten Auswahl an Modellen ist zudem der Kostenpunkt überwiegend recht hoch.
Folgende Modelle sind bereits existierende Beispiele für Pflegeroboter:
Therapieroboter für die Pflege
Von tiergestützter Therapie inspiriert soll die Roboter-Robbe Paro vor allem auf emotionaler Ebene zum Einsatz kommen. Neben einem weichen Fell verfügt sie über Sensorik, die Berührungen (beispielsweise in Form von Streicheleinheiten) wahrnimmt. Daraufhin reagiert der einer Babyrobbe nachempfundene Roboter mit leichten Bewegungen und Geräuschen und soll damit helfen, unruhige Patientinnen und Patienten zu beruhigen und den Kontakt zwischen diesen und den Pflegekräften zu erleichtern. Ein vergleichbares Konzept findet sich bei der Roboterkatze SmartCat, die insbesondere bei Demenzerkrankungen zum Einsatz kommen soll.
Bisher gibt es zwar nur eine recht geringe Datenlage, doch in einer kleineren Studie zeigten sich durch die Nutzung Paros bereits leichte Verbesserungen, beispielsweise bei Angststörungen und Depressionen [2]. Therapieroboter wie Paro oder SmartCat, finden nicht selten Einsatz in der Pflege. Aber auch „soziale“ Roboter wie Pepper, dem wir uns im Beitrag Serviceroboter auf dem Markt: Soziale Interaktion und Bildung widmen, wird immer wieder testweise auch in Pflegeeinrichtungen eingesetzt [3].
Serviceroboter für die Pflege
Obwohl der Roboter Lio über einen recht vielseitig einsetzbaren Grundaufbau verfügt, ist er explizit für die Pflege entwickelt worden. In einem Pilotprojekt wurde er bereits zwei Jahre lang in zwei verschiedenen Pflegeheimen eingesetzt und unterstützte dort die Pflegekräfte beim Verteilen von Essen und Trinken sowie der Interaktion mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Dabei war die Resonanz grundsätzlich positiv, wenn auch noch einige Verbesserungen, beispielsweise in der Spracherkennung, ausstehen ehe ein langfristiger Einsatz möglich ist [4], [5].
Der für die Pflege entwickelte Robear ist primär für das Umlagern, Tragen und Transportieren pflegebedürftiger Menschen entwickelt worden.
Der Roboter kann beispielsweise einen Patienten oder eine Patientin aus dem Bett und in einen Rollstuhl heben. Der Robear-Pflegeroboter wurde jedoch nie tatsächlich eingesetzt und letztlich aufgrund der hohen Kosten und damit einhergehenden geringen Praxistauglichkeit mittlerweile eingestellt [6].
Roboter für den Nachtdienst
Oscar ist ein Roboter des Berliner Start-ups Bearcover, das speziell für den Nachtdienst in Pflegeheimen entwickelt wurde [7]. Der 90 cm hohe und 12 kg schwere Roboter kann mit Radarsensoren durch geschlossene Türen hindurch Bewegungsmuster erkennen, um etwa Stürze oder ungewöhnliches Verhalten zu melden. Die Überwachung erfolgt kontaktlos und ohne direkte Zimmerbetretung, wodurch die Privatsphäre geschützt wird. Oscar soll in Zukunft monatlich gemietet werden können [8].
Soziale Assistenzroboter für die Pflege
Im Kontext von Pflege ist der soziale Aspekt nicht wegzudenken. Da dieser im hektischen Pflegealltag häufig zu kurz kommt, soll auch hier robotische Abhilfe geleistet werden. Der Roboter Navel ist beispielsweise im Rahmen eines Pilotprojekts der Evangelischen Heimstiftung im Einsatz. Er wird zur Unterstützung im Alltag für pflegebedürftige Menschen entwickelt und kann zum Beispiel an die Medikamenteneinnahme erinnern. Vor allem aber kommuniziert er über Sprache. Dadurch soll er das Wohlbefinden fördern, positive Emotionen auslösen und auf diese Weise die Lebensqualität erhöhen [9]. Durch seine Sensoren und intelligente Steuerung kann Navel auch sicher in häuslichen Umgebungen navigieren und einfühlsam mit Nutzer*innen interagieren [10].
RimA-Einschätzung zum Einsatz von Pflegerobotern
Wie sich in Bezug auf die meisten Alltagsanwendungen abzeichnet, haben es auch Pflegeroboter schwer, sich auf dem Markt zu etablieren. Die Gründe dafür sind vielfältig: Da sind die fehlende Erfahrung bei Endanwender*innen und die teils fehlende Akzeptanz bei Pflegenden gleichermaßen wie Gepflegten. Aber auch das Verfehlen der tatsächlichen Bedarfe und Umstände in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern geht damit Hand in Hand. Pflege findet in – in Bezug auf Hygiene und Sicherheit (sei es physische, digitale oder datenbezogene) – hoch regulierten Institutionen statt. Der Stand der Technik (erfahre hier mehr zum Technological Readiness Level) ist an vielen Stellen noch nicht in der Lage, in diesem Umfeld komplexe menschliche Interaktionen zu bewältigen oder sich an die individuellen Bedürfnisse der Akteure anzupassen.
Pflegeroboter – Forschungsprototypen
Gerade in der Pflege sind viele Roboter, die bereits in einer Realumgebung getestet werden, noch Prototypen. Ein Beispiel hierfür ist HoLLiE, ein vom FZI Forschungszentrum Informatik entwickelter Serviceroboter. HoLLiE ist ein modularer Roboter mit zwei Armen und einer mobilen Plattform, der in der Vergangenheit zum Testen von Aufgaben im Pflegealltag eingesetzt wurde: etwa beim Schieben von Rollstühlen oder der Gehbegleitung. Wie auch HoLLiE befinden sich viele andere Roboter, die im Pflegekontext zur Anwendungsforschung eingesetzt werden, in einem Prototyp-Status. Ihr Technological Readiness Level (TRL) ist also noch relativ niedrig.
Bildquellen
Paro: Foto von FZI Forschungszentrum Informatik
Lio: Foto von F&P Robotics
SmartCat: Foto von Altera Vita GmbH & Co. KG
Referenzen
[1] C. Berndt. (2023, Februar 10). Ein Roboter zum Kuscheln. [Online]. Verfügbar: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/roboter-pflege-pflegemangel-pflegekraefte-technik-familie-alter-krankenhaus-1.5748854. [Abruf Oktober 15, 2024].
[2] N. L. A. Rashid, et al. (2023, Mai 19). The effectiveness of a therapeutic robot, ‚Paro‘, on behavioural and psychological symptoms, medication use, total sleep time and sociability in older adults with dementia: A systematic review and meta-analysis. [Online]. Verfügbar: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37348392/. [Abruf Oktober 15, 2024].
[3] N. Schmitt-Sausen. (2019). Pflege: Pepper bezaubert in Unterfranken. [Online]. Verfügbar: https://www.aerzteblatt.de/archiv/206944/Pflege-Pepper-bezaubert-in-Unterfranken. [Abruf Oktober 15, 2024].
[4] T. Göttig. (2023, April 24). Im Test: Assistenzroboter Lio für die Pflege. [Online]. Verfügbar: https://www.mhh.de/presse-news/im-test-assistenzroboter-lio-fuer-die-pflege. [Abruf Oktober 15, 2024].
[5] N. Harnickell. (2023, Oktober 6). Roboter für das Volk. [Online]. Verfügbar: https://brefmagazin.ch/artikel/roboter-fuer-das-volk/. [Abruf Oktober 15, 2024].
[6] J. Wright. (2023, Januar 9). Inside Japan’s long experiment in automating elder care. [Online]. Verfügbar: https://www.technologyreview.com/2023/01/09/1065135/japan-automating-eldercare-robots/. [Abruf Oktober 15, 2024].
[7] Oscar von Bearcover: https://bearcover.de/
[8] M. Heckel. (2023, Mai 8). Pflegeroboter rollt in die „Höhle der Löwen“. [Online]. Verfügbar: https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/inside-digital-health/bearcover-pflegeroboter-rollt-in-die-hoehle-der-loewen/29136624.html. [Abruf November 21, 2024].
[9] Evangelische Heimstiftung. Sozialer Roboter Navel. [Online]. Verfügbar: https://www.ev-heimstiftung.de/innovationen/navel/. [Abruf Juli 16,2025].
[10] A. Koerber. (2024, Mai 13). Roboter „Navel“: Neuer Mitbewohner in der Diakonie Lilienthal. [Online]. Verfügbar: https://www.ndr.de/kultur/Roboter-Navel-Neuer-Mitbewohner-in-der-Diakonie-Lilienthal,roboter796.html. [Abruf Juli 16,2025].




